Die Geschichte des SV Teutonia Bechtheim

Es war am 14. Juli 1920, als sich sportbegeisterte junge Burschen zusammenfanden und den Sportverein Teutonia Bechtheim 1920 gründeten. Der Verein, unter Vorsitz von Friedrich Schmidt und den weiteren Vorstandsmitgliedern August Neumann (Stellvertreter), Albert Neumann (Schriftführer), Wilhelm Großmann (stellvertretender Schriftführer), Willie Ries (Kassierer) und Karl Wagner (Gerätewart), hatte es sich zur Aufgabe gemacht, „seinen Mitgliedern Gelegenheit und Anleitung zur geregelten Spielübung und Jugendpflege zu geben, als ein Mittel zur körperlichen und sittlichen Kräftigung*“.
Die erste Sportveranstaltung überhaupt, an der der Verein auf Einladung hin teilnahm, war das Sportfest in Dauborn. „Bei schönem Wetter marschierte der Sportverein morgens um 7 Uhr ab, Ankunft in Dauborn 9 Uhr.“ Die Sportler nahmen im Lauf des Tages an Leichtathletikwettbewerben und an Fußballwettkämpfen teil, der bis zum zweiten Weltkrieg beherrschenden Sportart im Verein.

Durch den unseligen Weltkrieg kam die Vereinsarbeit völlig zum Erliegen. Viele Männer mussten die Heimat verlassen. Einigen von ihnen war es nicht beschieden, in die Heimat zurückzukehren. 1949 wurde der Sportverein Teutonia „auf Anregung der Jugend … wieder neu ins Leben gerufen. Die Jugend trat an die älteren Sportanhänger heran mit der Bitte, sich doch wieder dafür einzusetzen, dass der Sport auch hier in Bechtheim wieder ins Leben komme“. Der alte 1. Vorsitzende Friedrich Schmidt nahm die Sache in die Hand und lud zur Neugründungsversammlung am 15. April 1949 ins Gasthaus „Zum Anker“. Neben den 10 verbliebenen konnten an diesem Tag 40 neue Mitglieder gewonnen werden. „Es wurde nicht allzu viel gesprochen, denn jeder war sich klar, dass Bechtheims Fußballer wieder auf den Sportplätzen auftauchen mussten“.

Das erste Spiel nach der Neugründung bestritten unsere Fußballer am 11. September 1949 in der B-Klasse Untertaunus, Gruppe Ost, in Beuerbach als Platzverein gegen Beuerbach, da Bechtheim noch nicht über einen eigenes Spielfeld verfügte. Am 18. September 1950 musste die Mannschaft nach Heftrich und verlor dort 2:5. „Ein schlecht leitender Schiri ist nicht schuldlos an dein hohen Ergebnis. Es wurde gegen uns ein Elfmeter verhängt, welcher nicht berechtigt war, und zweitens wurde auch ein Spieler von uns tätlich angegriffen, worauf der Schiri nicht eingriff, weil er Angst vor Heftrich hatte und sogar noch einen Strafstoß gegen uns gab.“

Erwähnt sei, dass auch damals die heute so hoch gelobte Disziplin „von früher“ nicht immer so vorbildlich war: 1950 beschloss die Mitgliederversammlung, dass Spieler, die zu Spielerversammlungen, anstehendem Training und Wettspielen ohne vorherige Abmeldung mit wirklichem Grund nicht erschienen, eine Strafe von 1,- DM zahlen mussten. Die gleiche Strafe wurde Mitgliedern auferlegt, die unentschuldigt bei der Mitgliederversammlung fehlten.

1950 wurde nahe des jetzigen Standortes, aber etwas näher an der Straße, ein Spielfeld angelegt, und zwar als Rasenplatz. 1958 folgte eine erste Umkleidekabine. 1962/63 wurde das Spielfeld zum jetzigen Standort verlegt – wieder als Rasenplatz, 1969/70 die Umkleidekabine um eine weitere Umkleidekabine sowie um entsprechende sanitäre Anlagen erweitert. 1978 erhielt der Platz eine neue Oberfläche (Hartplatz) und eine erste Flutlichtanlage. 1982/83 wurde das Vereinsheim ausgebaut und das Holzhäuschen an der Südseite des Sportplatzes errichtet (baufällig geworden, wurde es im Zuge der Sanierung des Sportplatzes im Juni 2000 abgerissen). 1985 wurde eine Wasserleitung zum Sportplatz gelegt.

1966 hatte Michael Schuster Friedrich Schmidt als 1. Vorsitzender abgelöst. 1967 wurde der Verein ins Vereinsregister beim Amtsgericht Idstein eingetragen. 1968 folgte Franz Zimmer als 1. Vorsitzender, 1970 Günter Lehmann.

Anfang der siebziger Jahre steckte der Verein in einer tiefen Krise. Das Protokoll zur Generalversammlung am 30. Dezember 1972 im Vereinslokal „Zum Anker“ hält fest: „Es wurde festgestellt, dass die Beteiligung der Jugend sehr mangelhaft ist, hauptsächlich bei Arbeiten, die mit denn aktiven Sport und der Aufrechterhaltung des Spielbetriebes verbunden sind. Es wurde in Frage gestellt, ob der Verein in dieser Weise weitergeführt werden soll“. Die Mitgliederversammlung am 24. März 1973 beschloss jedoch, dass der Sportverein nicht aufgelöst werden soll. Dennoch konnte der Spielbetrieb 1972/73 vorübergehend nur in einer Spielgemeinschaft mit Beuerbach aufrecht erhalten werden.

1973 wurde Lothar Klumpp zum 1. Vorsitzenden gewählt, der bereits seit 1968 dem Vorstand als Schriftführer angehört hatte. Die folgenden Jahre waren durch den Neuaufbau einer schlagkräftigen Mannschaft und einer intensiven Jugendarbeit geprägt. Außerdem wurde 1975 auf der Mitgliederversammlung darüber diskutiert, „den Sportbetrieb auf andere Bereiche zu erweitern, um die neue Gemeindehalle maximal zu nutzen. Angesprochen wurde eine Jugendturnriege, evtl. eine Tischtennisabteilung. Verschiedene Bereiche, z.B. Gymnastikfrauen, sollen in den Verein integriert werden.“ Im folgenden Jahr leitete der 1. Vorsitzende „ein Tischtennisspielen der Kinder in die Wege“, außerdem war ein Kinderturnen vorgesehen, dessen Beginn jedoch wegen fehlender Geräte zunächst noch nicht festgelegt werden konnte.

Bei den Fußballern zeigten sich erste Erfolge im Aufstieg der Senioren in die A-Klasse zur Saison 1977/78, dem allerdings bereits nach einem Jahr wieder der Abstieg folgte, ehe zur Saison 1979/80 erneut der Aufstieg in die A-Klasse Limburg/Untertaunus glückte. Das nicht alles eitel Sonnenschein war, weist das Protokollbuch zur Mitgliederversammlung von 1982 aus: „A. Wahl sprach das Thema Reservemannschaft an, was Anlass zu tiefer Besinnung bei so manchem war. Der Nachwuchs ist zum Teil abgesprungen…. Nachdem dieses Thema zu verschiedensten Diskussionsbeiträgen geführt hatte und sich die Versammelten in Zwiegespräche verloren, erfolgte gegen 22.30 das Ende der Versammlung.“ 1983 stieg die 1. Fußballmannschaft erneut in die B-Klasse ab, 1989 folgte wieder der Aufstieg in die A-Klasse, die anlässlich einer Umstrukturierung der hessischen Fußball-Verbandsstruktur später in Bezirksliga umfirmiert wurde. Nach dem Abstieg- in der Saison 1996/1997 spielte die Fußballmannschaft bis einschließlich der Saison 2000/2001 in der A-Klasse Rheingau-Taunus, wobei sie sich regelmäßig im oberen Drittel der Tabelle aufhielt. Nach einer hervorragenden Rückrunde gelang ihr im Mai 2001 als Tabellenzweiter der direkte Wiederaufstieg in die Bezirksliga.

Im Jugendfußballbereich war der Sportverein Teutonia Bechtheim zunächst mit einer eigenen „Schülermannschaft“ vertreten. In den 60er-Jahren konnte zusätzlich eine komplette A- Jugend aufgestellt werden. 1971 musste man dann aber darüber nachdenken, mit Nachbarvereinen Verbindung aufzunehmen, da für die A-Jugend zu wenig Spieler zur Verfügung standen. Im Zusammenhang mit der Bildung der Spielgemeinschaft in Seniorenbereich spielte man ab 1972 zunächst auch in einer Jugendspielgemeinschaft (JSG) mit Beuerbach. Von 1974 bis 1980 gehörte auch Ohren zur JSG, musste diese dann aber verlassen, da „laut Verbandsbeschluss eine JSG nur noch aus 2 Vereinen bestehen darf“ 1985 spielten Bechtheimer A-Jugendliche kurzfristig in Görsroth und umgekehrt Görsrother Jugendliche in Bechtheim. Seit 1987 besteht zusammen mit Beuerbach und Wallrabenstein eine harmonische JSG, wobei derzeit alle Klassen von den Bambinis bis zur B-Jugend vertreten sind. Eine A-Jugend bestand leider weder in der Saison 2000/2001, noch sind für die Saison 2001/2002 ausreichend Spieler vorhanden.

Die ursprüngliche Satzung aus dem Jahre 1920 wurde mehrfach überarbeitet und an die sich ändernden Erfordernisse angepasst. So mußte etwa 1978 aus steuerlichen Gründen eine neue Satzung verabschiedet werden, da bei der bestehenden Satzung „die Gemeinnützigkeit nicht deutlich genug zum Ausdruck kam“. Die derzeit gültige Satzung stammt aus dem Jahre 1990, eine geringfügige Änderung erfolgte bei der letzten Hauptversammlung Jahr 2001.

Für das Jahr 1983 weist das Protokollbuch die Existenz einer „Volleyballgruppe“ sowie von „Gymnastikabteilungen“ aus. 1985 wurde die Abteilung Lauftreff gegründet, die u.a. den überregional bekannten „Teutonenlauf“ sowie den „Hünstetter Freundschaftslauf“ veranstaltet, der von Bechtheim aus alle Hünstetter Ortsteile berührt.

Über die Generalversammlung 1985, die im Gasthaus Alberti stattfand, hält das Protokoll fest: „Im Bürgerhaus ist eine Mutter-KindTurngruppe mit 25-30 Leuten aktiv. Die Initiative ging von den Eltern aus. Die Gruppe hat bereits einen Flohmarkt mit Kaffee und Kuchen veranstaltet. Der Erlös in Höhe von 480,- DM wird dem Sportverein zur Anschaffung von Geräten zur Verfügung gestellt.“ 1987 wurde die Abteilung Jazzgymnastik gegründet, die mittlerweile unter dein Namen Aerobic – Gruppe firmiert. 1990 wurden die Aktivitäten im Bereich Tischtennis, die zwischenzeitlich für 4 Jahre zum Erliegen gekommen waren, wieder neu aufgenommen. Die 1994 gegründete Trommelgruppe findet im Vereinsheim nahezu ideale Übungsbedingungen. Aus ihr entstand in den letzten Jahren die Gruppe „Magenta Purpur“, die bereits mehrfach in der Öffentlichkeit – auch in anderen Bundesländern – aufgetreten ist und im vergangenen Jahr eine CD veröffentlichte.

Auch die Geselligkeit wurde vom Verein nicht vergessen. Der SV Teutonia Bechtheim – der mittlerweile ca. 380 Mitglieder hat – ist Ausrichter zahlreicher Veranstaltungen, anfangs teilweise im Wechsel bzw. in Zusammenarbeit mit dem Gesangsverein und der Feuerwehr. Maskenbälle, Grillfeste, Kerb, Flohmärkte, Basare, Weihnachtsfeiern, seit 1990 das Bürger-Fußballturnier und seit 1993 das Dorffest tragen entscheidend zum gesellschaftlichen Leben in Bechtheim teil. Die ausgeprägten karnevalistischen Interessen vieler Vereinsmitglieder hatten 1985 auch zur Gründung der Abteilung Karneval und zur Ausrichtung der ersten Kappensitzung im Jahr 1987 geführt.

Stand August 2001